Symptome Erklärt: Brainfog nach dem Essen
Wichtig: „Brainfog“ ist ein unspezifisches Symptom und kann viele verschiedene Ursachen haben. In diesem Abschnitt möchte ich jedoch auf Histamin- und darminduzierte Ursachen eingehen.
Was ist überhaupt Brainfog?
Brainfog bezeichnet ein Bündel an unspezifischer Symptome, die die kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Typische Merkmale sind:
Konzentrationsschwierigkeiten und leichte Ablenkbarkeit
verlangsamtes Denken und Wortfindungsstörungen
Gedächtnislücken, besonders Kurzzeitgedächtnis
reduzierte mentale Klarheit und Motivation
erhöhte geistige Ermüdbarkeit bei Denkaufgaben
Welche möglichen Zusammenhänge gibt es, wenn Brainfog kurze Zeit nach dem Essen auftritt?
Histamin
Vor allem, wenn Brainfog in Verbindung mit Herzrasen, Wärmegefühl oder starker Müdigkeit in relativ Kurzer Zeit nach dem Essen auftritt, kann dies ein Zeichen für eine Histaminreaktion sein. Histamin ist ein Botenstoff, der nicht nur im Immunsystem wirkt, sondern auch über den H1‑Rezeptor im zentralen Nervensystemaktiv ist. Wird die Histaminkapazität der Körpers überschritten, zum Beispiel durch histaminreiche Nahrung, kann das Nervensystem überreizt reagieren und zu Brainfog führen. Häufig legen diese Symptome im Verlauf eines halben Tages oder über Nacht wieder, vorausgesetzt es wird kein neues Histamin zugeführt.
Der Brainfog tritt häufig für etwa einen halben Tag auf und klingt dann wieder Tag ab, voraussetzt es folgt keine weitere histaminreiche Mahlzeit. Ein guter Indikator ist hier eine Auslassdiät, wenn du eine machen möchtest, findest du hier eine Liste von Histaminikus. Wichtig ist jedoch: Es kann immer individuelle Trigger, die von Person zu Person variieren können, geben.
Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO)
Eine SIBO kann ähnliche Symptome verursachen wie eine Histaminintoleranz und auch zu Brainfog führen, häufig existieren sogar SIBO und HIT parallel, da eine SIBO eine häufige Ursache für eine Histaminintoleranz sein kann.
Im Dünndarm sollten für gewöhnlich nur wenige Bakterien leben. Wenn sich dort jedoch zu viele ansiedeln, verstoffwechseln die Bakterien aufgenommene Nahrung. Dabei entstehen allerhand Gase, Entzündungsmediatoren und zum Teil giftige Stoffwechselprodukte wie LPS, Ammoniak oder Schwefelwasserstoff.
Einige Stoffwechselprodukte führen direkt zu Brainfog wie Schwefelwasserstoff oder Ammoniak andere eher indirekt wie LPS und Entzündungsmediatoren. Typisch ist ein allgemeines Krankheitsgefühl oder Schwäche zusätzlich zum Brainfog, sowie weitere SIBO Typische Symptome wie Blähungen.
Das Thema SIBO ist sehr komplex und leider nicht auf die Schnelle zu beurteilen. Auch hier ist der Brainfog durch die Nahrung begünstigt und meist kurze Zeit nach dem Essen ein. Wenn der Brainfog bei Durchführung einer low fodmap Diät weniger wird oder du generell dadurch Verbesserung verspürst, sollte man eine SIBO oder Mikrobiombeteiligung denken. Häufig treten eine HIT und SIBO zusammen auf, daher ist eine Beurteilung häufig nicht eindeutig.
Zur SIBO Diagnostik wird es noch ein eigenes Kapitel geben.
Blutzuckerschwankungen
Auch stark schwankende Blutzuckerwerte können zu Brainfog nach dem Essen führen, unabhängig von Histamin oder Verdauungsproblemen. Besonders nach kohlenhydratreichen oder stark verarbeiteten Mahlzeiten kann der Blutzucker zunächst rasch ansteigen. Der Körper reagiert darauf mit einer entsprechend hohen Insulinausschüttung, die den Blutzucker teils über das Ausgangsniveau hinaus absenkt. Diesen Zustand nennt man reaktive Hypoglykämie.
Das Gehirn ist auf eine konstante Glukoseversorgung angewiesen, da es kaum eigene Energiereserven besitzt. Fällt der Blutzucker deutlich ab, äußert sich das häufig durch Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, Zittrigkeit, Heißhunger oder Reizbarkeit, typischerweise etwa ein bis drei Stunden nach dem Essen.
Ein Hinweis auf diesen Zusammenhang ist, wenn der Brainfog durch eine kleine Zwischenmahlzeit oder etwas Süßes kurzfristig gebessert wird, wenig später aber wiederkehrt. Auch eine bestehende Insulinresistenz kann ähnliche Schwankungen begünstigen.
Mastzellaktivierung (MCAS)
Mastzellen sind spezialisierte Zellen des Immunsystems, die überall dort in großen Mengen vorkommen, wo der Körper frühzeitig reagieren muss (Darm, Haut, Blutgefäße usw.) Sie können degranulieren und dabei bestimmte Mediatoren freisetzen wie Histamin, Leukotriene, Tryptase und Prostaglandine.
Bei einer Überreaktivität können Mastzellen schon auf sehr kleine Trigger reagieren. Bestimmte Nahrungsmittel, Stress oder Hitze können eine Art Kettenreaktion auslösen. Die freigesetzten Mediatoren verstärken sich nun gegenseitig und können nun eine Vielzahl an Symptomen auslösen, darunter auch Brainfog.
Die Symptome sind eher unverhältnismäßig stark, sogar schnell anaphylaktisch und Brainfog ist häufig nur eines von vielen Symptomen, die eher im allergischen Formenkreis einzuordnen sind. Häufig werden nur sehr wenige Lebensmittel vertragen.
Es ist nicht selten, dass alle diese Ursachen wie SIBO, HIT, MCAS zusammen auftreten oder sich gegenseitig begünstigen.
Alle beschriebenen Symptome dienen nicht der Diagnostik. Sie sollen lediglich eine grobe Orientierung bieten und mögliche Zusammenhänge verständlich machen.
Wenn du dir unsicher bist woher deine Symptome kommen, melde dich gerne zu einer kostenlosen Erstanalyse.