Biochemische Ursachen für depressive Verstimmungen
Depressive Symptome entstehen nicht nur durch psychische Belastungen, sondern häufig auch durch biochemische Veränderungen im Körper. Verschiedene Systeme wie Neurotransmitter, Hormone oder Entzündungsprozesse, können das Gleichgewicht beeinflussen. Dieser Beitrag bietet eine kompakte Übersicht über die wichtigsten biochemischen Mechanismen, die depressive Verstimmungen begünstigen können.
Depressive Symptome können viele biochemische Ursachen haben, doch die Einordnung dieser Zusammenhänge ersetzt keine fachliche Diagnostik. Bei Beschwerden ist es wichtig, sich an einen Arzt oder Therapeuten zu wenden.
Tryptophan Mangel:
Tryptophan ist eine essentielle Aminosäure, die der Körper nicht selbst herstellen kann und über die Nahrung aufnehmen muss. Sie dient als Ausgangsstoff für die Bildung von Serotonin und Melatonin, Neurotransmitter, die Stimmung, Schlaf und emotionales Gleichgewicht beeinflussen. Wenn dieser Grundbaustein fehlt, ist ein Mangel an Serotonin und Melatonin die logische Schlussfolgerung.
Entzündungsprozesse:
Wenn im Körper niedrigschwellige Entzündungsprozesse stattfinden, wie es zum Beispiel bei einer SIBO oder Dysbiose der Fall ist, passiert eine Besonderheit im Tryptophan-Stoffwechsel. Das Vorhandensein von Entzündungsmediatoren wie Interleukin 6 oder TNF-α aktiviert das IDO Enzym welches den Tryptophanstoffwechsel umlenkt. In diesem Falle wird mehr Kynurenin hergestellt und die Synthese von Serotonin / Melatonin wird hinten angestellt. Dadurch kommt es zu einer Unterversorgung an Serotonin und Melatonin.
Ziel dieser Umleitung ist den Mikroorganismen Tryptophan zu entziehen, um diese im Stoffwechsel zu schwächen und zum Anderen reguliert Kynurenin mit seinen Folgeprodukten das Immunsystem.
Literatur: https://www.nature.com/articles/nrn2297
Tyrosin Mangel
Eine weitere wichtige Aminosäure neben Tryptophan ist Tyrosin. Sie ist nicht‑essentielle, das heißt der Körper kann sie aus Phenylalanin bilden. Tyrosin spielt eine zentrale Rolle in der Synthese von Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin.
Dopamin ist ein Neurotransmitter, der Motivation, Antrieb und Belohnung vermittelt. Aus Dopamin kann der Körper weiter Noradrenalin und Adrenalin bilden, die für Wachheit und Stressreaktionen wichtig sind.
Vitamin B6 Mangel
Vitamin B6 ist an zahlreichen Enzymatischen Reaktionen im Körper beteiligt. Darunter auch als Cofaktor für die Bildung von Serotonin und Dopamain. So kann ein Mangel zu Engpässen der Neurotransmitter führen. Ein so starker Vitamin B6 Mangel ist nicht unbedingt häufig, kann aber unter bestimmten Voraussetzungen wie Verdauungsstörungen, eingeschränkter Ernährung oder zusätzlicher HPU aber durchaus spürbar auftreten.
Literatur:
https://www.cambridge.org/core/services/
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6318075/
Weitere Mikronährstoffe:
Wie in oberer Grafik zu sehen, werden viele Mikronährstoffe indirekt für die Neurotransmittersynthese benötigt, so unter anderem auch Zink, Magnesium, Eisen und Kupfer. Hier den Weg für jeden einzelnen Mikronährstoff aufzuführen, würde etwas zu weit führen. Insgesamt sollten natürlich natürlich alle Nährstoffe in einem vernünftigen Gleichgewicht im Körper vorliegen, damit der Stoffwechsel optimal funktionieren kann.
Lipopolysaccharide (LPS)
LPS sind Bestandteil der äußeren Hülle von gramnegativen Bakterien. Zu Ihnen gehören z.B. E. Coli, Klebsiellen und Salmonellen.
Unter bestimmten Umständen kann LPS in den Körper gelangen. Das passiert zum Beispiel, wenn sich LPS‑tragende Bakterien stark vermehren, wie bei einer SIBO oder einer allgemeinen Dysbiose. Ebenso kann LPS durch eine geschwächte Darmbarriere in den Blutkreislauf gelangen, etwa bei einem leaky gut, verursacht durch SIBO, Stress, Entzündungen, Alkohol und andere Belastungen.
LPS wirken nun auf verschiedenen Wegen depressionsfördernd.
Es findet eine direkte Entzündungsreaktion mit Aktivierung entsprechender Botenstoffe (Interleukin 6, TNF-α, usw.) statt.
Die Entzündung bedingt oben genannten Kynurenin-Stoffwechselweg, welches zu einem Serotoninmangel führen kann.
LPS beinflusst und stört direkt die Darm-Hirn-Achse
Es gibt Studien, in denen geringe Mengen LPS direkt die Stimmung senkt, Angst auslöst und den Antrieb reduziert. Es wird sogar genutzt um die Wirkung von Antidpressiva zu testen.
Literatur: