FoodMarble Aire 2 im Test: Meine Erfahrungen
Was ist die FoodMarble?
Die FoodMarble Aire 2 ist ein tragbarer Atemsensor, der die Konzentration von Wasserstoff und Methan im Atem misst. Die Messung dieser Gase wird vor allem in der SIBO Diagnostik verwendet und benötigte bislang immer externe Labore.
Der Hersteller bewirbt das Gerät als eine Möglichkeit, Verdauungsprobleme besser zu verstehen, individuelle Nahrungsmittel‑Unverträglichkeiten aufzudecken und die eigene Ernährung gezielt anzupassen.
FoodMarble verspricht, dass der Aire 2 dabei helfen kann:
Fermentationsprozesse im Darm sichtbar zu machen
Trigger‑Lebensmittel zu identifizieren, die Beschwerden auslösen
Verdauung und Ernährung zu optimieren
Muster bei Blähungen, Bauchschmerzen oder Unverträglichkeiten besser zu erkennen
Damit positioniert sich das Gerät als ein Werkzeug für Menschen, die ihre Verdauung datenbasiert verstehen möchten.
Weitere Informationen findest du direkt beim Hersteller: FoodMarble.com
Warum habe ich ein Selbstexperiment gemacht?
Nachdem das Gerät in der SIBO‑Community immer wieder empfohlen wurde und meine offiziellen Atemtests mehrfach grenzwertig ausfielen, entschied ich mich 2024 dazu, den Aire 2 auszuprobieren. In einem mehrmonatigen Selbstexperiment habe ich das Gerät im Alltag getestet und verschiedene Teststubstrate wie Lactulose und Fructose, verschiedene Lebensmittel sowie Routinen und Situationen getestet. Alle hier beschriebenen Erfahrungen stammen aus den Jahren 2024 und 2025.
Wie funktioniert die FoodMarble Aire 2?
Die FoodMarble ist recht kompakt gehalten und minimalistisch designt. Das Gehäuse besteht aus schwarzem Kunststoff, ist leicht und liegt gut in der Hand. Auf der Vorderseite befindet sich eine runde Atemöffnung, auf der Rückseite der entsprechende Auslass.
Auf der Oberseite sitzt eine mehrfarbige LED, die ein direkte Feedback zum Status wiedergibt und in der Mitte ein Knopf mit dem die Bedienung erfolgt. Der Großteil der Bedienung erfolgt jedoch per Bluetooth und zugehöriger APP.
Die Aire2 wird über Mikro-USB an der Seite aufgeladen, der Akku hält dabei für mehrere Tage mit ausführlichen Messungen, verliert allerdings bei Lagerung schnell an Kapazität.
In der Foodmarble sitzt ein Sensor der Wasserstoff und Methan messen kann, die Ergebnisse werden dabei auf einer Skala von 0-10 ausgegeben. Eine Umrechnung in PPM ist hierbei theoretisch Möglich, bleibt jedoch Foodmarble-Therapeuten vorbehalten.
Die Einschaltung des Geräts erfolgt mit einem Doppeltippen, nach einer kurzen Aufwärmzeit des Geräts startet die App direkt mit einem Tutorial.
Eine Messung erfolgt in dem man den Knopf betätigt, nun läuft ein Timer für 3 Sekunden, in denen man die Luft anhält, anschließend für weitere 5 Sekunden in denen man langsam und gleichmäßig in das Gerät pustet. Das Ergebnis wird unmittelbar in der App und mittels Status LEDs auf dem Gerät angezeigt. Sollte die Messung fehlschlagen, wird das über rote LEDs angezeigt.
Die App bietet hierbei eine Vielzahl an Trackingmethoden, so können neben der reinen Messdaten auch Ernährung, Stuhl und Symptome getrackt werden. Ebenso sind Verlaufskontrollen über Tage, Wochen und Monate möglich.
Weiterhin gibt es in einem gesonderten Menü die Möglichkeit gezielte Tests mittels Lactulose oder verschiedener anderer Substanzen durchzuführen, so kann man z.B. einen SIBO Test simulieren. Ein Zusatzpaket mit verschiedenen Testsubstraten ist optional erhältlich.
Meine Beobachtungen:
Messungen verschiedener Mahlzeiten über verschiedene Tage und Wochen.
Damit fängt wohl so ziemlich jeder an, der das Gerät neu besitzt. Einfach mal hineinpusten und schauen was passiert. Tagelang, nach dem Essen vor dem Essen, und man versucht mögliche Korrelationen zu Symptomen herzustellen. Und auch ich habe das natürlich auch gemacht, ich zeige euch hier mal ein paar Verläufe dessen.
Mein Fazit dessen ist aber, dass ich weder vernünftige Korrelation zu Symptomen herstellen konnte, noch zu Mahlzeiten. Wie schon bereits erwähnt, ist die Verdauung zu komplex, Fermentation findet im Dickdarm zeitlich sehr stark versetzt zu Mahlzeiten statt, bei einer SIBO eventuell auch parallel im Dünndarm, häufig startet man mit hohen Baselines und kann nicht viel sehen außer über den Tag zunehmende Werte, die einen hoffentlich nicht beunruhigen. Auch ein Trend über Wochen und Monate brachten mir keine großen neuen Erkenntnisse und ich habe viel gemessen 😁. Auch hier mal ein paar Beispiele:
Reproduzierbarkeit:
Soweit ich ermitteln konnte, liegt die Reproduzierbarkeit des Geräts in einem für die Größe und dem Hausgebrauch durchaus vernünftigen Bereich. Ein kleines Hindernis ist jedoch, dass die App die Benutzung des Geräts immer für etwa 10 Minuten sperrt, damit sich der Sensor wieder kalibrieren kann. Daher kann sich in der Zeit auch etwas an der Verdauungsleistung geändert haben. Eine Laborprüfung mit definierten Anteilen an Gasen oder eine parallele Einsendung zu einem offiziellen Test habe ich nicht durchgeführt. Insgesamt war mein Eindruck aber, dass es bei Wiederholungsmessungen zu ähnlichen Zeitpunkten nur wenige Schwankungen gab.
Hier mal einige Werte aus meiner Prüfzeit:
15.05.2025 | Nüchternwerte:
| Minute 0 | Minute 15 | Minute 30 | Minute 46 | Minute 61 | Minute 79 | Minute 95 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Methan | 0,2 | 0,4 | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,2 |
| Wasserstoff | 0,7 | 1,0 | 0,2 | 0,9 | 0,8 | 0,8 | 1,2 |
24.06.2025 | Nüchternwerte
| Minute 0 | Minute 15 | Minute 30 | Minute 48 | Minute 65 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Methan | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,2 |
| Wasserstoff | 0,3 | 0,3 | 0,5 | 0,4 | 0,2 |
Simulierte Atemtests (Challenges):
Eine weitere Möglichkeit, und meiner Meinung nach die einzige sinnvolle Nutzung der Foodmarble ist die Simulierung von Atemtests (in der App als Challenges bezeichnet). Also die Messung bestimmter Substanzen im nüchternen Zustand. Hierfür gibt es in der App Presets, die die ermittelten Daten aufbereiten und den Messrhythmus vorgeben.
Zur Wahl stehen:
Fructose
Lactose
Sorbitol
Inulin
Custom
Wobei sich im Ablauf nichts ändert und man theoretisch auch alles im Custom Modus durchführen könnte. Lediglich der Name ist schon vergeben und es entspricht den Substraten, die auch zum optionalen Kauf angeboten werden. Eine Messung mit Lactulose würde man dann also im Custom Modus durchführen oder sollte sich merken, was man stattdessen gewählt hat.
Das Ergebnis ist dann eine hübsch ausgewertete Grafik als Ergebnis. Die Interpretation dessen obliegt einem natürlich selber. Hier sollte man sich aufgrund der Komplexität der Substrate und Atemtests gut beraten lassen.
Fazit:
Das Gerät kann für meinen Eindruck relativ genau die Werte von Wasserstoff und Methan in der Atemluft bestimmen, mit einer für die Methodik und Hausgebrauch ausreichend guten Reproduzierbarkeit.
Schwachstellen sehe ich in der Vermarktung. Eine tägliche Messung von Mahlzeiten ist meiner Meinung nach irreführend, da man nicht genau sagen kann in welchem Teil des Verdauungstraktes gemessenes Wasserstoff oder Methan entstanden sind.
Eine Beurteilung der Verdauungsleistung, mit über den Tag verteilten Messwerten bei verschiedenen Mahlzeiten ist meiner Meinung nach nicht möglich.
Wenn man dies jedoch versteht, ist es sehr gut möglich z.B. einen SIBO Test zuhause zu simulieren, man sollte hierbei jedoch auch wie bei einem offiziellen Test die Diät an den Vortagen einhalten, damit man am Test-Tag mit einer niedrigen Base-Line startet und den Test nüchtern morgens durchführen. Im Idealfall mit den gleichen Substraten und Mengen, wie man es auch bei einem offiziellen Test durchführen würde. Dann ist es eine gute Möglichkeit bei langen SIBO Fällen eine günstigere und einfachere Verlaufskontrolle zu bekommen. Sollte man zum Beispiel eine hohe Baseline haben am Prüftag sieht man dieses direkt und kann den Test am Folgetag wiederholen ohne erneute kosten.
Dies beinhaltet aber auch alle kritischen Punkte, die auch ein offizieller SIBO Test mit sich bringt. Wie z.B. falsch gewähltes Testsubstrat, unbekannte oder veränderte Transitzeit, falsch negative oder positive Ergebnisse.
Ein weiterer negativer Punkt ist, dass zur Zeit keine Messung von Schwefelwassersoff nicht möglich ist. Allerdings ist dieses insgesamt zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Deutschland möglich, auch nicht bei offiziellen Tests.
Wie entstehen überhaupt Methan und Wasserstoff in der Atemluft?
Um überhaupt die Aussagekraft der Foodmarble oder eines SIBO Tests zu verstehen, sollte man verstehen wie überhaupt Wasserstoff und Methan im Körper gebildet werden und in die Atemluft gelangen.
Grundsätzlich werden Wasserstoff, Methan und auch andere Gase wie Schwefelwasserstoff von Darmbakterien gebildet, sobald sie Kohlenhydrate oder andere Substrate verstoffwechseln. Diese Gasproduktion kann sowohl im Dünndarm stattfinden, etwa bei einer SIBO, als auch im Dickdarm, wo sie ein normaler Bestandteil des Verdauungsprozesses ist, zumindest im Fall von Wasserstoff.
Der mögliche Krankheitswert von Methanbildnern im Dickdarm ist hingegen noch Gegenstand der Forschung und nicht abschließend geklärt.
Ein Teil der von den Bakterien gebildeten Gase diffundiert nun über die Darmwand ins Blut und wird anschließend über die Lunge und Atemluft wieder abgegeben und in der Foodmarble gemessen.
Über den Tagesverlauf gelangen ständig Nahrungsbestandteile in den Dickdarm, wo sie ganz normal von Bakterien fermentiert werden. Dadurch entstehen Wasserstoff und andere Gase, selbst wenn die Verdauung völlig gesund abläuft. Das führt dazu, dass die gemessenen Gaswerte erhöht sein können, ohne dass eine SIBO vorliegt.
Damit lässt sich anhand eines einzelnen Atemtests nicht eindeutig unterscheiden, ob die Gase aus einer bakteriellen Fehlbesiedlung im Dünndarm stammen oder aus der regulären Fermentation im Dickdarm.
Heißt: Um eine halbwegs verlässliche Aussage zu halten, sollte man im Vorfeld darauf achten dass die Fermentation zum Zeitpunkt des Tests möglich niedrig ist (niedrige Werte bei Wasserstoff und Methan zum Start). Wenn man nun ein Testsubstrat wie z.B. Lactulose zu sich nimmt, lässt sich zumindest grob beurteilen ob die Fermentation im Dünndarm durch eine SIBO stattfindet oder erst im Dickdarm entsteht. Natürlich können dennoch Messfehler auftreten, z.B. wenn während des Tests weitere Nahrungsbestandteile aus dem Dünndarm in den Dickdarm gelangen und dort spontan fermentiert werden. Mit solchen Ungenauigkeiten müssen jedoch auch offizielle klinische Atemtests leben.