Dunkelfeldmikroskopie: Was kann sie leisten und was nicht?
Was ist Dunkelfeldmikroskopie überhaupt?
Rein technisch ist die Dunkelfeldmikroskopie ein völlig etabliertes und seit langem bekanntes optisches Verfahren. Das Präparat wird nicht wie beim klassischen Hellfeldmikroskop von unten durchleuchtet, sondern schräg von der Seite beleuchtet. Objekte erscheinen hell vor einem völlig dunklen Hintergrund, auch wenn sie durchsichtig und ungefärbt sind. Für die Beobachtung lebender, unbehandelter Blutzellen ist das praktisch, weil keine Färbung nötig ist, die die Zellen abtöten würde. In diesem Artikel möchte ich gern auf die Dunkelfeldmikroskopie, die häufig im Rahmen einer Vitalblutanalyse bei Heilpraktikern angeboten wird, eingehen.
Die Idee der "Vitalblutanalyse"
In der Naturheilkunde wird die Dunkelfeldmikroskopie meist unter dem Namen Vitalblutanalyse oder Dunkelfeldanalyse angeboten. Die Grundidee geht auf den Zoologen Günther Enderlein zurück, der vor rund 100 Jahren postulierte, man könne im frischen Blutstropfen bestimmte Mikroorganismen erkennen, die Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand, das Immunsystem oder sogar die Krebsneigung zulassen.
In der Praxis läuft eine Sitzung meist so ab: Ein Tropfen Blut aus der Fingerbeere wird direkt unter dem Mikroskop betrachtet, oft mit Bildschirmübertragung, sodass Patient und Behandler das Bild gemeinsam ansehen. Interpretiert werden unter anderem Form und Beweglichkeit der roten Blutkörperchen, die Aktivität weißer Blutkörperchen oder die Gerinnungsneigung.
Was ist wissenschaftlich möglich und was nicht?
Auch wenn die reine Methodik physikalisch korrekt ist und das Verfahren für bestimmte Themen durchaus Verwendung im Labor findet, sind die diagnostischen Möglichkeiten doch sehr gering und weitaus weniger Aussagekräftig als häufig in der Alternativmedizin behauptet.
Was ist möglich:
Sichtbarmachung lebender Zellen z.B rote und weiße Blutkörperchen,
sowie Beobachtung dessen Form und Struktur
Beobachtung anderer Strukturen wie z.B. Bakterien
Beobachtung der Verklumpung von Blutzellen
Erregernachweis bei Syphilis (wird hier allerdings nicht mit Blut aus der Fingerbeere sondern mit Sekret einer frischen Läsion durchgeführt, sowie das Verfahren zunehmend durch PCR und Antiköperbestimmung verdrängt)
Erregernachweis bei Malaria (in der Theorie möglich, der Goldstandard sind jedoch gefärbte Präparate)
Was ist nicht möglich:
Diagnose von Erkrankungen wie Krebs, Candida, Leberschäden usw.
Aussagen über den Zustand des Immunsystems / Infektanfälligkeit
Aussagen über das “innere Milieu” / Säuren-Basen Haushalt / pH-Wert
Aussagen über Verdauung und Darmmilieu
Nährstoffmängel erkennen
Aussagen über Verklumpung (Geldrollenbildung) als Hinweis auf Krankheiten
Erkennung der Schwermetallbelastung
Bestimmung des “Energiezustands” von Zellen
Hintergrund und Fehleranfälligkeit
Es handelt sich bei dem Präparat um ein Nativpräparat. Das heißt die Zellen sind ungefärbt und schwimmen in Flüssigkeit, die sich auf dem Objektträger bewegen kann. Dies Verfahren liefert keinerlei biochemische oder molekulare Information, ob eine Zelle von einem Nährstoffmangel betroffen ist, ob im Körper eine Übersäuerung vorliegt, ob Toxine oder Schwermetalle vorhanden sind, oder ob eine Krebsneigung besteht. Dafür bräuchte es chemische, molekularbiologische oder immunologische Nachweisverfahren. (Laborwerte, Antikörpertests, Gewebeproben etc.) Mit ein paar ganz wenigen Ausnahmen ist es auch nicht möglich Bakterien oder Pilze genau zu bestimmen.
Viele der betrachteten Phänomene sind technisch bedingte Artefakte; Hier ein paar Beispiele:
Staub wird als Schimmelpilz “diagnostiziert”,
Geldrollenbildung passiert häufig in mikroskopischen Präparaten durch langsames Austrocknen oder das aufgebrachte Deckgläschen
Formänderung von Zellen können ebenso technisch bedingt sein. (Austrocknen des Präparats, Desinfektionsmittelreste, Abnahmetechnik)
Angebliche Bewegung der Zellen ist nicht quantifizierbar, da die Umgebungsbasis auch flüssig ist.
Abnahmen aus der Fingerbeere sind nicht zuverlässig, da der Anteil an Gewebsflüssigkeit überproportional hoch sein kann und der Finger häufig gequetscht wurde.
Falsches Handling, Reste von Desinfektionsmittel, schmutzige Objektträger usw.
Studien:
Obwohl das Verfahren schon lange bekannt ist, gibt es nicht viele Studien in denen die Methodik oder die Reproduzierbarkeit betrachtet werden. Hier einmal zwei die ich gefunden habe:
Persönliches Fazit:
Wie unschwer aus meinem Selbstversuch rauszulesen ist, halte Vitalblutanalysen in dem Umfang, in dem sie meist angepriesen werden, für unseriös. Es gibt einige diagnostische Ausnahmefälle wie oben genannt. Diese Methoden sind aber überholt und laufen in spezialisierten Laboren und nicht beim Heilpraktiker.
Bist du dir unsicher welche diagnostischen Methoden zu dir passen und welche nicht? Dann lass uns gerne sprechen.
Weitere Literatur für Interessierte: