Histamin: Woher kommen die Beschwerden?

Histaminfass

Histamin-Beschwerden haben selten eine einzelne Ursache. Meist summieren sich mehrere Faktoren, etwa histaminreiche Lebensmittel, Stress, Alkohol oder eine geschwächte Darmschleimhaut, bis der Körper mit dem Abbau nicht mehr hinterher kommt.

Eine Erklärung dafür liefert ein einfaches Bild, das in der Ernährungsberatung verbreitet ist: das Histaminfass. Es beschreibt Histamin als Bilanz aus Zufluss und Abbau. In diesem Beitrag erkläre ich wie die Balance aus Histamin zufuhr und Abbau funktioniert, denn Symptome treten erst auf, wenn eine gewisse “Füllmenge” überschritten ist.

Was das Fassmodell beschreibt

Histamin ist ein körpereigener Botenstoff. Der Körper bildet es selbst und benötigt es unter anderem als Neurotransmitter, zusätzlich nimmt er es über die Nahrung auf. Auch Bakterien im Darm können zusätzlich Histamin bilden. Gleichzeitig wird Histamin laufend durch Enzyme abgebaut.

Das Fassmodell übersetzt das in ein Bild:

  • Zufluss: Alles, was Histamin in den Körper bringt oder dort freisetzt, füllt das Fass.

  • Abfluss: Die Abbauenzyme leeren es kontinuierlich, schneller oder langsamer.

  • Füllstand: Beschwerden treten erst auf, wenn es ein Ungleichgewicht gibt und das Fass überläuft.

Im folgenden Modell kannst du die Faktoren selbst an- und abwählen und beobachten, wie sich der Füllstand verändert.

Das Modell ist kein Selbsttest und sagt nichts über deine persönliche Situation aus.

Warum Histamin manchmal zu viel wird

Stell dir deinen Körper wie ein Fass vor. Verschiedene Quellen füllen es, Enzyme leeren es wieder. Beschwerden entstehen oft erst, wenn beides aus dem Gleichgewicht gerät.

Zufluss Abbau durch Enzyme
Was füllt das Fass?
Was bremst den Abbau?

Enzyme bauen Histamin laufend ab und leeren so das Fass. Manche Faktoren bremsen sie.

Im Gleichgewicht

Die Enzyme bauen in diesem Modell genug ab, das Fass bleibt im Rahmen.

Stark vereinfachtes Modell zur Veranschaulichung.

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Was das Fass füllt

  • Histaminreiche Lebensmittel

    Histamin entsteht in Lebensmitteln, wenn Bakterien die Aminosäure Histidin umwandeln. Das passiert bei Reifung, Fermentation und längerer Lagerung. Typische Beispiele sind gereifter Käse, Rohwurst, Sauerkraut, Fischkonserven und Wein.

    Der Histamingehalt schwankt dabei stark, abhängig von Herstellung, Frische und Lagerdauer. Das ist ein weiterer Grund, warum dasselbe Lebensmittel nicht immer gleich vertragen wird.

    Es gibt verschiedene Listen, in denen die Lebensmittel nach Histamingehalt gruppiert werden, hier einmal die von Histaminikus

  • Dysbiose

    Einige Darmbakterien können selbst Histamin bilden. Darunter zählen unter anderem E.Coli und Klebsiellen, wenn diese vermehrt im Darm auftreten. Können sie die Histamin zufuhr um einen deutlichen Anteil erhöhen.

  • SIBO

    Bei einer Dünndarmfehlbesiedlung leben Bakterien in einem Abschnitt, in dem normalerweise wenige vorkommen und in dem gleichzeitig die Diaminoxidase gebildet wird. Dass diese Bakterien dort zusätzlich Histamin bilden, ist plausibel, da es sich bei den typischen SIBO-Bakterien häufig um E. coli- oder Klebsiellenstämme handelt. Hierzu gibt es Ausarbeitungen von Dr. Pimentel. Weiterhin schädigt eine SIBO die Dünndarmschleimhaut und kann so die Diaminoxidase beeinträchtigen.

  • Freisetzung aus Mastzellen

    Ein großer Teil des körpereigenen Histamins ist in Mastzellen gespeichert. Sie sitzen vor allem in Haut, Schleimhäuten und Darm und geben Histamin bei Aktivierung frei. Auslöser können allergische Reaktionen, Infekte, physikalische Reize wie Wärme oder Druck und bestimmte Medikamente sein.

Was den Abbau bremst

  • Alkohol und Medikamente

    Alkoholische Getränke wie Wein und Bier enthalten zudem selbst Histamin und andere biogene Amine. Sie wirken damit auf beiden Seiten des Fasses.

    Auch verschiedene Arzneistoffe können die DAO hemmen, beschrieben ist das unter anderem für Clavulansäure und Acetylcystein. Wie stark der Effekt im Körper ausfällt, ist nicht für jeden Wirkstoff geklärt. Verordnete Medikamente bitte nie eigenständig absetzen, sondern nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.

  • Beeinträchtigte Darmschleimhaut

    Die DAO wird in der Dünndarmschleimhaut gebildet, wird nun die Schleimhaut geschädigt, kann es dazu führen, dass die DAO nicht mehr genügend gebildet wird oder nicht vernünftig arbeiten kann. Die Messung der DAO im Blut, kann diesen Mechanismus nicht unbedingt abbilden.

  • Nährstoffe

    Beide Enzyme, DAO und HNMT, benötigen verschiedene Cofaktoren wie Kupfer, Vitamin B6 oder Methylgruppen, um optimal zu funktionieren. Tritt hier ein Mangel auf, kann das den Histaminabbau bremsen. Kupfer sollte dabei nicht allein und nicht auf Verdacht ergänzt werden, da ein Kupferüberschuss schnell toxisch werden kann.

Schwächen des Modells

  • Es gibt nicht ein Fass, sondern mehrere. Die DAO arbeitet vor allem im Darm, die HNMT vor allem im Zellinneren und baut Histamin im Gewebe ab. Man kann es sich also eher wie verschiedene ineinander laufende Fässer vorstellen mit jeweils eigenen Abbaukapazitäten.

  • Der Füllstand lässt sich nicht messen. Wie voll das Fass aktuell ist, lässt sich schlecht messen. Eine Übersicht der diagnostischen Möglichkeiten habe ich hier erstellt.

  • Der Fassrand liegt nicht bei allen gleich hoch. Wie empfindlich der Körper auf Histamin reagiert, ist individuell verschieden.

  • Nicht jede Reaktion nach dem Essen ist Histamin. Symptome wie Blähungen, Durchfall, Kopfschmerzen oder Hautrötungen treten auch bei Allergien, SIBO oder einer Mastzellaktivierungserkrankung auf (wobei Histamin hier auch eine Rolle spielt, aber nicht allein).

Fazit

Das Fassmodell erklärt anschaulich, warum Histamin-Beschwerden schwanken: Entscheidend ist die Bilanz aus Zufluss und Abbau, nicht ein einzelner Auslöser. Damit ist es als Einstieg in das Thema gut geeignet.

Die Faktoren im Modell sind unterschiedlich gut belegt. Histaminreiche Nahrung, DAO-hemmende Substanzen und eine geschädigte Darmschleimhaut sind gut dokumentiert.

Wenn du herausfinden möchtest, welche Faktoren in deinem Fall zusammenkommen, melde dich gerne für ein kostenloses Erstgespräch.

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